Die Ernährung der Jäger und Fischer

Was unsere Vorfahren in den vergangenen Jahrmillionen aßen, wissen wir nicht genau. Aber wir wissen, was nicht auf dem Speisezettel stand: Zucker und Kohlenhydrate in rauhen Mengen. Vor allem in den letzten Eiszeiten stand praktisch kein Obst, kein Gemüse und schon gar kein Getreide zur Verfügung.

Die Nahrung der paläolithischen Jäger, Fischer und Sammler basierte (bis vor rund 10.000 Jahren) auf tierischen Fetten und Eiweißen. Das Omegaverhältnis ihrer Ernährung lag etwa bei 1:1.

Das Omegaverhältnis unserer Zivilisation liegt heute bei 25:1- 15:1 (Omega-6-Fettsäure zu Omega- 3-Fettsäure) und zeigt deutlich die Schieflage. Diese Schieflage entsteht durch eine kohlenhydratreiche Ernährung. Um die Omega-Bilanz etwas zu verbessern, raten Ernährungsberater zu mehr  Lein-, Raps- und Olivenöl. Durch eine Anpassung dieser beiden Faktoren (weniger KH, mehr gesundes Fett) könnte das Omega-Verhältnis auf 5:1 verbessert werden. Doch paradoxerweise haben gesättigte, natürliche Fette wie Palmfett (natürlich belassen) und tierisches Fett (aus artgerechter Freilandhaltung) ein optimales Omegaverhältnis von 1:1. Diesen idealen Wert erreicht kein Pflanzenöl.

Nun könnte man denken, dass die Menschen schon recht lange auf dieser Erde leben und sich schon immer von Zucker und Getreide ernährten. Im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der Erde ist das aber gar nicht lange her. Sie aßen die unverdaulichen Körner auch nicht ganz freiwillig, der Hunger trieb sie dazu. Getreidemühlen wurden erst tausende Jahre später erfunden. Brot demnach auch. Der erste Körnerbrei schmeckte wohl eher fade, hatte einen geringen Nährwert und war (und ist) schwer verdaulich. Und genau hier beginnt die Omega-Schieflage. Die getreidebasierte Kost führt zur Unterversorgung der Zellen und des gesamten Organismus, Schäden die wir heute Zivilisationskrankheiten nennen.

Wenn man nun den Zeitraum von der Entstehung der Erde- bis zum Erscheinen des ersten Homo Sapiens- in 365 Tage fassen wollte, dann erschiene der erste "Jäger und Sammler" zum 31.12., am späten Abend auf unserem Kalender. Die moderne Zivilisationskost wäre mit keinem Wimpernschlag bisher registriert worden.

Schauen wir uns das Zeitfenster der Evolution etwas genauer an: Unsere Erde entstand vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Das Leben auf der Erde begann vor rund 3,8 Milliarden von Jahren. Die ersten Lebewesen waren Bakterien. Von da aus dauerte es weitere Milliarden Jahre bis zu den Säugetieren. Erst viel später erscheint der Mensch auf der Bildfläche.

Die Entwicklung des Menschen wurde voraussichtlich durch 2 Abspaltungen im Stammbaum der Arten geprägt: Ein Teil unserer gemeinsamen Ahnen entwickelte sich im Laufe mehrerer Jahrmillionen zum Gorilla, ein anderer Teil zum Schimpansen. Die Abspaltung vom Schimpansen zum Menschen wiederum fand etwa vor 5-8 Millionen Jahren statt. Letztere sind unsere nächsten Verwandten im Reiche der Primaten. Lediglich 1,2% der genetischen Substanz (DNA) zwischen uns und ihnen ist verschieden, die Hämoglobinmoleküle beider Arten sind heute noch praktisch gleich. Aus der Genforschung wissen wir heute, dass die Grundstruktur eines Gens in der Regel über Jahrmillionen gleich bleibt.  Deshalb kann man die Stammesgeschichten jedes einzelnen Gens untersuchen und zurückverfolgen.

Die weitere Entwicklung von den Schimpansen zum Menschen liegt noch im Dunkeln. Man hat noch keine Fossilen Funde vorzuweisen, die die fehlende Informationslücke schließen könnten. Durch die geologischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte (Kontinentalverschiebungstheorie) liegen Vermutungen nah, dass sich der fertige Mensch in einer isolierten Gegend Afrikas (die man noch nicht gefunden hat) über Jahrmillionen zum Homo Sapiens entwickelt hat, er anschliessend wieder in die Gegend um den großen afrikanischen Grabenbruch einwanderte, und von dort seinen Auszug in den Rest der Welt startete.

Wir müssen uns die damaligen Verhältnisse unserer Vorfahren etwa so vorstellen:

Es existierten über Millionen von Jahren artenreiche, riesige Tierbestände und sehr kleine Menschenpopulationen. Die Erde war üppig grün, die Wälder licht, da sie aller Lebewesen Lebensraum war. Die Artenvielfalt der Pflanzen war unvorstellbar groß (Viele Sorten wurden im Laufe der Zeit durch den Ackerbau verdrängt). Obst, Beeren, Pilze und Nüsse gab es nur Regional und nur zur Saison, und wurden von Mensch und Tier als seltene und willkommene Abwechslung verspeist. Unsere heutigen gezüchteten Obstsorten haben jedoch mit den alten ursprünglichen Sorten wenig gemeinsam (zuviel Fructose).

Die ersten Menschen haben sich vielleicht noch nicht ausschließlich von der Jagd ernährt, dazu fehlten ihnen die erforderlichen Waffen. Man fand aber Hinweise dafür, dass sie sich über die Reste von Beutetieren der Löwen und anderer Raubtiere hergemacht hatten, indem sie Knochenmark (hochwertige biologische Verfügbarkeit!) und Gehirn durch grobe Steinwerkzeuge aufbrachen und verzehrten. Kratzspuren an fossilen Tierknochen deuten darauf hin. Um ein frisches Vogelei oder Insekten zu erbeuten, reichen allerdings auch etwas Geschick und Geduld aus (selbst Schimpansen ernähren sich nicht rein vegetarisch).

Durch die Entdeckung des Feuers war es dem  Menschen möglich in kürzerer Zeit mehr Nahrung zu sich zu nehmen. Gegartes Fleisch kann man schneller essen als rohes. Unsere Vorfahren  bevorzugten allerdings fettes Fleisch und Innereien, da fettes Fleisch mehr Energie liefert. Mageres Muskelfleisch liefert weniger Energie und hatte deshalb einen geringeren Stellenwert.

Schnecken und Muscheln sind Nahrung für den Geist: Weichtiere enthalten wertvolle Fettsäuren, die für die Entwicklung des Gehirns besonders wichtig sind. Nach und nach entwickelten sich Wesen mit immer größeren, leistungsfähigeren Denkorganen.

Paranthropus boisei hatte ein Gehirnvolumen von etwa 400-540 Kubikzentimetern. Da Pflanzenkost sich einfach einsammeln lässt, musste sich sein Gehirn- im Gegensatz zu denen der Allesesser- nicht weiter entwickeln. Die Lebensweise und Ernährung der "Nebenmenschen" führte  in die evolutionäre Sackgasse: Die kräftigen Vegetarier starben vor 1,1 Mill. Jahren aus. 

Homo ergaster, ein exzellenter Langstreckenläufer, wurde durchschnittlich 1,85 m gross und hatte bereits ein Gehirnvolumen von etwa 900 Kubikzentimetern. Sein Darm war im Vergleich zu anderen Primaten verkürzt und wog fast 800 g weniger, als es aufgrund seiner Körperstatur zu erwarten gewesen wäre. Auf seinem Speiseplan standen wohl auch Pflanzen und Wurzelknollen, Früchte, Samen, Insektenlarven, Vogeleier, Echsen und andere Kleintiere. Doch auf Fleisch konnte der Jäger mit seinem großen Gehirn nicht dauerhaft verzichten, denn ein großes Hirn verbraucht enorme Mengen an Energie. Der wechselseitige Prozess der Anpassung bewirkte zum einen, das das Gehirn leistungsfähiger wurde. Das wiederum führte dazu, dass erfolgreicher gejagt wurde. Und weil diese Eiweiße wiederum leicht verdaulich sind, konnte der Darm verkürzt und die eingesparte Energie in weiteres Wachstum des Gehirns inverstiert werden.

Homo neanderthalis verfügte mit durchschnittlich 1520 Kubikzentimetern über das größte Hirnvolumen, das innerhalb der menschlichen Verwandtschaft bekannt ist (heutige Menschen besitzen durchschnittlich 1400 Kubikzentimeter).

Als die Kehlkopfentwicklung des Homo Sapiens eine Sprache ermöglichte, konnte er erfolgreicher jagen als beispielsweise der Neandertaler, dessen Anatomie eine vollständige Sprache noch nicht ermöglichte. Weshalb die Neandertaler ausstarben, ist heut noch nicht bekannt, doch bevorteilte die bessere Kommunikation den zeitgleich lebenden Homo sapiens wesentlich.

Welchen wichtigen Stellenwert die Jagd einnahm können wir heute noch an den prächtigen Höhlenzeichnungen weltweit betrachten. Mit Zunahme der Menschenpopulation reduzierte sich der Tierbestand drastisch. Man kann wohl sagen, viele Tierarten sind ausgestorben weil sie aufgegessen wurden.

Es ist in Mode gekommen, Jäger und Sammler, wozu ich die Fischer auch zähle, so zu betrachten, als hätten sie mehr "im friedlichen Einklang" mit der Natur gelebt als wir. Das ist vermutlich nicht so gewesen. Sie hatten wohl größere Kenntnis der Wildnis als wir, denn sie lebten ja dort und mussten überleben. So haben sie wohl, auch wie wir heute, ihre Kenntnisse genutzt und die Fähigkeiten ihrer Zeit genutzt, um die Umwelt auszubeuten. Vor der Erfindung der Landwirtschaft waren unsere Vorfahren vermutlich nicht im Einklang mit der Natur, sondern sie waren vermutlich dafür verantwortlich, dass rund um den Erdball viele Tiere ausstarben*

Die Verankerung der karnivoren Ernährung in unseren Genen, alleine in der letzten Eiszeit mit rund 100 Tausend Jahren, veränderte den menschlichen Stoffwechsel nachhaltig und zugunsten der Fette.

In den Eiszeiten wurde die Vegetation spärlicher und unsere Vorfahren mussten mit dem kargen  Angebot an Pflanzen und Tieren auskommen. Dies mag ein wichtiger Grund gewesen sein, dass man über die Tierhaltung nachdachte. Eine Tierhaltung kann allerdings nur gelingen, wenn man wie die Nomaden Grünflächen beweidet oder das Futter für die Tiere bevorratet. Bis der Ackerbau Einzug hielt, vergingen noch weitere  Jahrzehntausende.

Sowohl Colin Tudge (Neanderthals, Bandits and Farmers) als auch Jared Diamond (Der dritte Schimpanse) stellen fest, daß der Wechsel vom Jagen und Sammeln zur Landwirtschaft keineswegs der große Fortschritt war, für den wir ihn im selbstzufriedenen Rückblick gerne halten würden. Nach Überzeugung dieser Autoren führte die landwirtschaftliche  Revolution nicht dazu, dass die Menschen glücklicher wurden. Sie konnten nun mehr Menschen ernähren, als die Lebensweise der Jäger und Sammler, die von ihr verdrängt wurde, aber sie führte nicht zu einer erkennbaren Verbesserung von Gesundheit oder Wohlbefinden*

Nachdem der Ackerbau Einzug hielt und der Getreideverzehr zunahm, tauchten die ersten Zivilisationskrankheiten auf. Dies lässt sich an fossilen Skelettfunden nachweisen. Die Menschen  der nachfolgenden Generationen waren im Schnitt um 15 cm kleiner, Knochen- und Zahnschäden nahmen zu. Da wir jedoch keine ausreichenden Daten über die Ernährung unserer paläolithischen Vorfahren zur Verfügung haben, dient oft die Lebensweise heute noch lebender Naturvölker als Grundlage der Forschung. Die Behauptung, die Lebenserwartung der Naturvölker sei deutlich geringer als heutiger Industriestaaten ist nicht korrekt, da u.a. die hohe Säuglingssterblichkeit der Ethnien in die Statistik einfliesst. Unsere paläolithischen Vorfahren starben in aller Regel bei Jagdunfällen, durch Kriegereien, an Infektionen und Verletzungen. Es gab eben keine Notfallmedizin oder lebensrettende Maßnahmen. Ein Rechenbeispiel aus dem Leben der Naturvölker: Lebensalter des Vaters: 56 J, Lebensalter der Mutter: 45 J, Lebensalter der 3 Kinder: 1,3,7. Summe=112 Jahre/5 Personen= Durchschnittliche Lebenserwartung von 22,4 Jahren. Dieser Wert sagt aber nichts über die körperliche Verfassung, über die Fittness und  Gesundheit der Menschen aus.

Wir können uns die Zeitspannen verdeutlichen, die unsere lange Entwicklung ausmacht:
Der Übergang vom Baumbewohner zum Erdaffen dauerte ca. 10-20 Millionen Jahre, zum Feuerbenutzer weitere 2 Mill. Jahre, zum Ackerbau weitere 300.000 Jahre. Dagegen sind die letzten 10-20 Tausend Jahre in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit ein Wimpernschlag, der in unseren Genen noch nicht registriert wurde. Ernst Mayr schreibt dazu  treffend: "Die Evolution hat alle Zeit, sie muss sich nicht beeilen!"

Eine Anpassung an eine neue Ernährungsform (wie der Getreidekost) bedarf u.a. einer strukturellen Änderung einer Unzahl von Enzymen. Dies ist evolutionstechnisch in 10 Tausend Jahren nicht zu bewerkstelligen. Es kann logischerweise in den letzen 10 Tausend Jahren kein neuer GEN-Mensch entstanden sein.  Wir sind demnach an die Zivilisationskost, die hauptsächlich aus Zucker und Getreide, sowie einer Vielzahl chemischer Zusätze besteht, nicht, zumindest nicht ausreichend angepasst.

Einige Menschen, die in den nördlichen Gebieten wohnen, in denen die letzte Eiszeit noch bis vor rund 1.000 Jahren anhielt (Nordeuropa), dürften demnach noch weniger an die Getreidekost gewöhnt sein als Völker, deren Vorfahren bereits vor 10 Tausend Jahren in Ägypten Getreide anbauten.

Es darf gefragt werden, ob die Ursache der Zivilisationskrankheiten nicht in der falschen Ernährung, sprich Getreide und Zucker, zu suchen ist.  Bislang stehen einige medienwirksame Behauptungen zur Diskussion, aber wenige wissenschaftliche Beweise seitens der Ernährungsexperten. Unsere moderne Form der Ernährung, die Empfehlungen verschiedener Gesellschaften, basiert lediglich auf den gesammelten Erfahrungen der letzten 100 Jahre. Dabei wurden fast ausschließlich selektive Werte verglichen. Die bereits vorhandenen  Ergebnisse der Evolutionsforschung werden seitens der  Schulmedizin und von Ernährungsexperten beharrlich ignoriert. Wer gibt schon gerne zu, dass "man" sich geirrt hat?

Jedoch bestätigt sich meine Annahme wenn man beispielsweise den Beobachtungen  von Dr. Vilhjalmur Stefansson Aufmerksamkeit schenkt:

Naturvölker, wie Eskimos, die nicht mit der heutigen Zivilisation in Berührung kamen, kannten keine Zivilisationskrankheiten. Sie kannten weder Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schlaganfälle, Diabetes oder Krebs. Steffansson war nicht nur Abenteurer und Arzt, sondern auch Anthropologe. Er lebte fünfzehn  Jahre mit den kanadischen  Eskimos zusammen und konnte deren Lebensweise studieren. Sie nahmen fast ausschließlich tierische Nahrung zu sich und freuten sich (deshalb) bester Gesundheit.
Stefansson erkannte, dass der Grund für ihre Gesundheit die urtümliche  Ernährung war. Er wusste, dass der Mensch in seinen Entwicklungsstufen bis zum Beginn der Neolithischen Revolution (bis zum Einzug des Ackerbau) hauptsächlich von karnivorer (tierischer) Nahrung gelebt hatte. Dr. Wolfgang Lutz beschreibt in seinem Buch Leben ohne Brot sehr anschaulich die gesammelten Erfahrungen über die urtümliche und gesunde Ernährung verschiedener Naturvölker, die auch seine eigene Studien als Arzt, Mediziner und Wissenschaftler bestätigen.

Wenn Sie sich jetzt fragen, wieso sie über diese Art der Ernährung bislang wenig erfahren haben, so mag es daran liegen, dass unsere Vorfahren vor zigtausend Jahren noch nicht schreiben konnten und das Wissen langsam verloren ging. Schließlich wurden die Informationen immer nur von einer Generation zur nächsten Generation mündlich weitergegeben. Generationenübergreifende Schriften, bzw. Datensammlungen gab es einfach nicht. Man gab zwar das Wissen um die Geheimnisse des Ackerbaus weiter, das alte, urtümliche Wissen ging dabei leider in Vergessenheit. Es dürfte den Menschen bereits vor 10 Tausend Jahren aufgefallen sein, dass mit dem vermehrten Genuss von Getreide auch Krankheiten wie Karies und Dickleibigkeit einher gingen, was man wahrscheinlich eher den Göttern in die Schuhe schob. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

*Richard Dawkins: Geschichten vom Ursprung des Lebens/ Ullstein Verlag




         
    
          
                 

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